designer florian weidlich

1983 im oberbayerischen Rosenheim geboren, entdeckt Florian Weidlich mit 17 Jahren seine Lust am Reisen. Mit 500 Mark und einem One-Way-Ticket in der Hosentasche geht es nach Spanien. Es war der Auftakt zu einer Reise, die sechseinhalb Jahre dauern sollte. Dort lernte er unter anderem als Chef de Rang und Sommelier exzellente Häuser wie das Zwei-Sterne-Restaurant Tristán auf Mallorca kennen, lebte und arbeitete in Barcelona und New York.

Wie wichtig und prägend die Auslandsjahre für den umtriebigen Rosenheimer werden sollten, spürte er vor rund acht Jahren, als er seinen professionellen Fokus änderte: vom Restaurantfachmann und Gastgeber zum Kunsthandwerker. Inspiriert von der deutlich zur Schau getragenen Kunst und Kultur anderer Länder in Form von Schmuck, wie beispielsweise den stylischen Halsketten in Ibiza, kreierte er aus regionalen Heimatsymbolen wie der Rosenheimer Rose oder dem bayerischen Löwen Schmuckstücke. Passend zum Rosenheimer Herbstfest fertigte er eine Handvoll Armbänder mit Rosenanhängern – und fand damit großen Anklang. Die Inspiration für seine Kollektionen holt sich der naturbegeisterte Designer bei Bergtouren, beim Klettern, Radfahren oder beim Stand Up Paddling in seiner Heimat, dem wunderschönen Chiemgau.

Nun existiert bereits seit mittlerweile zwei Jahren sein Schauraum, in dem er mit viel Freude und Leidenschaft Mode, Schmuck und Accessoires präsentiert und fertigt. Das Besondere findet sich bei Florian Weidlich im Detail, seiner Herangehensweise und seinem Heimatwohlgefühl, das seine Firmenphilosophie prägt.

interview

Interview mit Oliver Lang. Erschienen im TWEED Magazin (Wieland Verlag) Ausgabe  3-19.

Mamma Bavaria ist selbst vielen Nichtbayern vom alljährlichen Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg bekannt. Aber wer oder was ist deine Mamma Bavaria?
Das Politiker-Derblecken findet einmal jährlich statt. Mich und meinen Schauraum dagegen kann man das ganze Jahr über besuchen. Mein Label Mamma Bavaria steht für die Region und bildet somit den Ursprung meiner Kollektionen. Die Schönheit Bayerns fließt dabei in unsere Schmuckstücke und die Mode mit ein.  So entsteht ein Stück Heimat zum „dabei haben“. Wir bieten ausschließlich Eigenentwicklungen an und sind dabei noch Spezialisten für Sonderanfertigungen. Jedes Teil erzählt seine ganz eigene Geschichte und verleiht dem Träger die Möglichkeit sein „Heimatwohlgefühl“ nach außen zu tragen.


Den Kern deines Unternehmenskonzepts bezeichnest du mit „Heimatwohlgefühl“. Was genau verstehst du darunter?
Heimat – was ist das? Ein Ort, ein Gefühl? Ich finde es ist viel mehr. Zumal Heimat und sich Wohlfühlen für jeden etwas anderes bedeutet. Ich als Designer möchte mein erlebtes „Heimatwohlge+fühl“, das ich mit den Seen und Bergen Bayerns verbinde, über meine Ideen in Form von Schmuck und Mode an den Träger weitergeben. Ich möchte dazu anregen, dass der Träger sein eigenes Heimatwohlgefühl findet und nach außen hin mit Stolz und Freude zur Schau trägt. So kann jeder für sich seine eigene Lebensgeschichte unterstreichen.

Gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen den „Mamma Bavaria“-Kunden, so unterschiedlich sie sein mögen?
Ich spüre, dass meine Kunden auf der Suche nach individuellen, hochwertigen und handgefertigten Waren sind, hinter denen echte Menschen stehen. Heutzutage gehen viele Werte und Tugenden im digitalen Zeitalter mehr und mehr verloren. Ich finde es daher wichtig sich zu erinnern, wo der Ursprung liegt. Auf der Suche nach diesem Ursprung kommen Menschen zu uns, die satt sind von der ewigen Massenware aus China und von Wegwerfprodukten.

Du warst in jungen Jahren lange im Ausland. Wie hat das deinen Blick auf die Heimat verändert?
Im Ausland hast du viel weniger Ankerpunkte als Zuhause. Du bist mehr auf dich allein gestellt. Die Heimat bietet uns Sicherheit sowie Geborgenheit. Die vertraute Umgebung wird jedoch oft als selbstverständlich empfunden. Das wird einem erst so richtig bewusst, wenn man längere Zeit im Ausland verbringt. Nach meinen Reisen habe ich meine Heimat erst so richtig schätzen gelernt.


Wie ging es los mit Mamma Bavaria?
Als ich zurück war, fing ich wieder an viel in den Bergen unterwegs zu sein und die Landschaft zu genießen. Ich war damals früh morgens am Heuberg wandern. Nach einem anstrengenden Aufstieg saß ich mit meiner Brotzeit am Gipfel. Als die ersten Sonnenstrahlen über die gegenüberliegenden Bergketten fielen, tauchten sie das Gipfelkreuz des Heubergs in ein warmes Licht – in diesem Moment war die Anstrengung des Aufstieges vergessen, mein Ziel vor Augen und die Freude riesengroß. Dieses Gefühl hat jeder Bergsteiger schon einmal erlebt. Hier kam mir die Idee, dieses besondere Gefühl in ein Schmuckstück zu verwandeln – meine Gipfelkreuz-Kollektion. Das war der Startschuss...


Welche Stücke gehören zu deinen persönlichen Lieblingen?
Das ist eine schwierige Frage. Im Sommer ist es die Berglederhose nach Ur-Opas-Lieblingsschnitt, bestickt mit der Schutzpatronin Bavaria  und dem leichten Leinenhemd. Im Herbst ist es die lange Leinenhose  kombiniert mit der Walkjacke. Immer dabei die Gipfelkreuzkette, sinnbildlich für die eigenen Ziele im Leben die ein jeder von uns erreichen will  sowie als Accessoire der Löwen-Schlüsselanhänger. Ob im Alltag oder zur Tracht, egal zu welcher Jahreszeit, mit diesen Lieblingsstücken fühle ich mich immer passend gekleidet.


Greifst du bei der Fertigung auf im Ausland produzierte Stücke zurück oder stammt wirklich alles aus Bayern und Deutschland?
Wir produzieren nicht nur komplett in unserem Netzwerk in Deutschland und im Grenzgebiet zu Österreich – wir designen und endfertigen auch alle Waren in unserem Designer-Schauraum hier in Riedering bei Rosenheim, im Herzen des Chiemgaus. In der Mitte des Schauraums befindet sich ein freistehender Werkstattwürfel. Hier kann man Goldschmiedin Nadia bei der Fertigung der Schmuckstücke und Sonderanfertigungen über die Schulter schauen. Selbstverständlich findet man nicht alle benötigten Materialien wie Edelsteine oder Gold in Deutschland. Aber auch hier haben wir einen außergewöhnlichen Weg gefunden. Wir besitzen zum Beispiel Schürfrechte an einer Goldmine in Ivalo, Finnland, und schürfen dort das reinste ökologische Gold der Erde, das wir dann in unseren Schmuckstücken verarbeiten.